Etappenfahrt 2017 - Im Mai an die Schlei

Vom 25. bis 28.Mai 2017 fand bereits zum 14. Mal die traditionelle Etappenfahrt des Radsport Team Lübeck statt. In diesem Jahr führte die Tour an die Schlei. Hier der Bericht über die vier Tage auf dem Rad durch Schleswig-Holstein.

Bericht: Etappenfahrt Himmelfahrt 2017

Donnerstag, 25.Mai 2017:

Zur 14. Auflage unserer traditionellen Etappenfahrt treffen wir uns um 08:30 Uhr bei St.Hubertus. Wir freuen uns über die Beteiligung vor allem auch älterer Mitglieder und auch einer neuen Teilnehmerin, Maria, die von der Tour über ihre Hannoveraner Vereinsfreunde André und Bärbel erfahren hat. Wie in den Jahren zuvor wird uns die treue Iris begleiten und unser Gepäck in Felix` Auto transportieren. Leider kann uns Hans in diesem Jahr nicht begleiten, daher übernimmt Karl-Heinz seine Position am Ende des Feldes.
Zwar hat Meeno im NDR  gutes Wetter angesagt, aber der Morgen empfängt uns noch mit bedecktem Himmel. Gut gelaunt starten wir mit Reinhard und Kalle an der Spitze durch die Innenstadt mit kurzem Fotostopp am Holstentor. Die Sonne kommt immer mehr durch und Schleswig- Holstein zeigt sich von der schönsten Frühlingsseite mit saftig grünen Feldern und Bäumen und kräftig gelbem Raps, dessen Duft uns in die Nase zieht. Kurz vor Gnissau gibt es einen lauten Knall und Andrés Vorderrad ist platt. Als nach dem Schlauchwechsel wieder aufgepumpt wird, zeigt sich eine verdächtige Beule in der Reifenseite, doch zum Glück kann Reinhard mit einer Ersatzdecke aushelfen. Die Zeit wird den Wartenden versüßt mit von Iris frisch gebackenen (um 04:30 Uhr!) Zimtschnecken. Das lässt erahnen, dass die Tour eher unter Wellness- als unter Leistungsgesichtspunkten zu betrachten ist.
Die geplante Rast am Selenter See findet leider nicht auf der herrlichen Terrasse mit Seeblick statt (auch andere Ausflügler hatten diesen Gedanken), doch auch drinnen wird üppiges Eis und Kaffee serviert. Bald nach dem Start hat Bernd mit seinem Renner eine weitere kleine Panne: Die elektronische Schaltung versagt ihren Dienst und Bernd kann nur noch im kleinsten Gang weiterstrampeln. Zum Glück zeigt sich in der Jungendherberge in Schönberg, dass nur der leere Akku die Ursache und daher schnell behoben ist.
Vor dem Abendessen geht es  noch schnell an den Strand. Dort haben es sich bereits Gruppen von jugendlichen „Vätern“ mit Bollerwagen am Rondell mit lauter Musik und Bier gemütlich gemacht. Die Mischung der verschiedenen Stile mit viel Scherben lässt uns lieber Abstand halten und wir wagen an anderer Stelle ein Fußbad in der Ostsee mit anschließendem Schnack auf der Liegewiese. Herrlich!
Nach dem Essen in der DJH gehen wir noch in die Fußgängerzone, wo uns der Wirt der „Bierbörse“ in Erwartung eines guten Geschäfts noch öffnet und nach dem RST auch Heiner eine Runde ausgibt. Die Fußballfans können das Relegationsspiel Braunschweig gegen Wolfsburg im Fernsehen verfolgen.

Freitag, 26.Mai 2017:
Punkt 09:00 Uhr Abfahrt in Richtung Laboe am Strand entlang. Die Kaninchen bringen sich vor der anrollenden Kolonne durch die Flucht quer über die Straße zum Gebüsch vor den Dünen in Sicherheit. Maria erhält eine kurze Nachhilfe in Sachen Geografie, als sie begeistert ausruft „Ach, guck: die Lübecker Bucht!“ Antwort: „Das ist die Kieler Förde…“
Über Kalifornien geht`s über s Schwedeneck und Russland bis zum Anleger in Laboe. Die Wartestunde bis zur Abfahrt der Fähre nach Strande überbrücken wir mit Kaffee und Fischbrötchen vom Kiosk.
Der Packer an Bord der Fähre ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger recht patent und plant die vielen mitreisenden Räder gut nach Zielort ein, obwohl eigentlich nur 12 Fahrräder mitgenommen werden dürfen. Trotzdem beäugen wir etwas misstrauisch die Stapel von schweren E-Bikes und zierlichen Rennrädern…
In Strande schieben wir aber ohne sichtbare Defekte von Bord und fahren bei sommerlichen Temperaturen an bunt  bepflanzten Beeten vorbei über Land (Maria:“ Es ist ja nicht mehr weit bis zur Elbe, nicht?) bis zum touristisch überfüllten Eckernförde. Kurze Konfusion über den Weg zum Hafen, zu dem uns Iris mit dem Auto leider nicht folgen kann. Manch einer vermisst die gute Verpflegung aus dem Kofferraum. Karl-Heinz nutzt die Zeit, die Iris zu Fuß „zum Hafen braucht und kommt uns Döner kauend auf dem Rennrad entgegen, während sich Bodo das heiß ersehnte Fischbrötchen vom Kutter gönnt.
Kurze Fahrt nur noch bis Langholz an der Ostsee, wo uns Vereinsfreund Peter Andresen mit seiner Frau Gaby im Garten seines Ferienhäuschens empfängt. Kuchen kauend und Kaffee schlürfend genießen wir den Ausblick auf die Ostsee bei sommerlichen Temperaturen. Peter fährt uns jetzt voran und zeigt einen wunderschönen Weg an der Schlei entlang nach Kappeln. Maria hofft auf einen Abstecher vor dem Abendessen: „Damp ist ja nicht weit, dann können wir ja noch kurz an den Strand!“
Daraus wurde leider nichts, aber die „Heringstage“ luden zu einem Gang an den Hafen ein, wo sich eine Bude an der anderen drängte und laute Musik das Volksfest begleitete. Im „Landarzt“ fanden wir eine lange Tafel für die abendliche Getränkerunde. Auf dem Rückweg Stopp auf der Brücke, wo wir einen Logenplatz für das fantastische Feuerwerk hatten, das in der Mitte der Schlei von einem Ponton aus gezündet wurde.

Sonnabend, 27.Mai 2017:
Die Schlange vor dem Frühstücksbuffet ist lang bei der ausgebuchten Jugendherberge und es dauert, bis sich jeder umständlich ein Scheibchen Käse und einen Klecks Marmelade aufgefüllt hat. Trotzdem bleiben alle geduldig und werden satt und wir starten pünktlich zur Fährt hinüber nach Arnis (= kleinste Stadt Deutschlands, Maria!) und von dort auf der Nordseite der Schlei in sanften Wellen bis Schloss Gottorf in Schleswig. Auf der Wiese hinterm Schloss rasten wir und gönnen uns Kaffee und Kuchen im Schlosscafé. Felix outet sich als Kunstbanause und lehnt sich zum Dehnen doch glatt an eine Skulptur!
Jetzt wenden wir uns nach Süden und machen an der Kanalfähre in Sehestedt Pause. Der kleine Kiosk mit Kanalblick hat sich zu einer modernen Raststätte gemausert, ohne seinen Charme für Radler und Biker zu verlieren. Die Portion Pommes ist für Wolfgang und Felix doch glatt zu groß!
Bei der Anfahrt zur Jugendherberg durch Kiel verlieren wir Iris, die uns durch Ampelphasen abhandenkommt. Sie muss einen Passanten nach der Adresse der DJH fragen, der sie aus dem Smartphone zieht, damit Iris sie ins Navi eingeben kann.
Gemütliches Abendessen in der Jugendherberge mit leckerem Buffet. Nach dem Essen schlägt Bodo vor, nicht wie geplant in die entfernte Innenstadt zu laufen, sondern eine ihm bekannte Kneipe in Garden aufzusuchen. Auf seine Empfehlung schlendern wir ein wenig neugierig durch „Neu-Istanbul“. In einer kleinen dunklen Kneipe werden wir sehr freundlich von einem „Mann mit Busen“, wie er/sie sich auf Nachfrage vorstellt, empfangen. Hier nutzen Sabine, Andre, Kalle, Bodo und Carsten die Gelegenheit, das Pokalendspiel Frankfurt gegen Dortmund zu gucken. Die übrigen finden vor der alternativen Kneipe „Subrosa“ Platz und genießen die laue Abendluft. Mit viel Gelächter und  guter Laune klingt der letzte gemeinsame Abend aus.
Bei Wolfgang und Reinhard, die sich nicht auf exotische Umgebung einlassen und lieber auf dem TV der Jugendherberge das Fußballspiel verfolgen wollten, ging leider um 23:00 Uhr der Fernseher aus, was Iris bei der Rückkehr um Mitternacht nur zu einem mitleidigen „Schöne Scheiße, nicht?“ veranlasste. Ein Ehedrama soll das aber nicht ausgelöst haben…

Sonntag, 27.Mai 2017:
Bei der Abfahrt ist der Himmel leider bedeckt. Gewitter ist angekündigt. Nach 11 Kilometer biegt der Radweg von der Bundesstraße nach rechts ab, während Iris weiter geradeaus geleitet wird. Sie fährt zum nächsten Treffpunkt. Nach dem Wenden verkündet eine lautes Knacken und Blockieren des Hinterrades nichts Gutes von Klaus` Rad. In der Tag ist das Schaltauge völlig verbogen und kann auch durch Karl-Heinz` Bemühungen nicht gerichtet werden. Klaus muss mit Rad von Iris abgeholt werden.
Hinter Fiefharrie Stopp im Wald. Hier werden erstmals die Nussecken von Gudrun hervorgeholt, auf die manch einer schon gewartet hat. Nun zeigt sich auch allmählich die Sonne und es wird sommerlich heiß, die  Regenjacken können wieder verstaut werden. Im Café EhrgArten in Quaal wird eine letzte Rast eingelegt. Wir genießen den riesigen prächtigen Garten mit Sitzplatz am Teich bei leckerem Kuchen im Schatten alter Bäume – wie im Urlaub!
Die letzten Kilometer führen durch Bornhöved nach Lübeck und durch die Innenstadt wieder am Holstentor vorbei zum Parkplatz St.Hubertus. Fast ein wenig wehmütig verabschieden wir uns wieder voneinander. Pünktlich können unsere Auswärtigen ihre Heimreise antreten.
Es war wieder eine erlebnisreiche Fahrt, niemand kam zu Schaden, wir genossen eine wunderschöne Landschaft bei herrlichem Wetter und wir hatten viel Spaß miteinander. Bis hoffentlich zum nächsten Jahr!!

Gudrun Borchardt