Super-Brevet Hamburg-Berlin-Köln (HBK) 2018

Hier ist er nun mein Bericht zu HBK, ein Brevet der Superlative, mit seinen 1.500 Kilometer sehr lang und großartig organisiert. Nein ich bin nicht der erste RST‘ler, der HBK gefahren ist, aber der erste der darüber einen Bericht schreibt. Das habe ich mit im Vorfeld vorgenommen, denn die Veranstaltung ist etwas Besonderes und damit einen Bericht wert!
Insgesamt sind 98 Sportler an den Start gegangen. 13 Fahrer konnten den Brevet nicht beenden, 84 FahrerInnen sind innerhalb des Zeitlimits ins Ziel gekommen. Der Startschuss fiel am 04.August 2018 um 06:00 Uhr in Großhansdorf.
Ich bin am Vortag angereist und konnte schon die ersten Velomobile bewundern. Ich dachte, von denen würde ich nach dem Start keines mehr sehen, dem war aber nicht so. Es hab dann noch eine Pastaparty und jede Menge Fachsimpelei – schon ein besonders Völkchen die Super-Randonneure.
Ich nutze die „Schlafgelegenheit“ in der Turnhalle vor Ort um gegen 06:00 Uhr am Samstag an den Start zu gegen. Hier waren noch alle frohen Mutes. Rollen zum Warmfahren habe ich keine gefunden, aber Muskelbetriebene Gefährte mit 2, 3 oder 4 Rädern, aufrecht oder liegend und auch klappbar – alles dabei.
Wie von mir erwartet ging es dann auch gleich zügig los. Für mich und die Streckenlänge jedoch etwas zu schnell. Ich hielt mich zurück, zudem wurde es sehr warm. Die Elbe ist nur noch zu einem kleinen Rinnsal zusammen geschrumpft und sonst auch kein Schatten zu finden. Die Temperaturen stiegen schnell auf 35C°, dabei fuhren einige Starter aus Thailand in langen Klamotten – unglaublich!
Weiter ging es mal wieder durch mein geliebtes Brandenburg. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein und der Wohnraum noch günstig. Ausgetrocknet erreichte ich noch vor 16:00 Uhr Nauen, kurz vor Berlin. Dort hatte der Audax Club die erste Verpflegung mit Getränken und warmen Essen aufgebaut. Die Teilnehmer aus Fernost hatten sogar einen eigenen Masseur dabei, der seine Schützlinge mit einer Art umgebauten (?) Akkuschrauber bearbeitete. Nach kurzer Pause ging es alleine weiter nach Ditfurt durch Sachsen-Anhalt im Vorharz. Ich hoffe auf kühlere Temperaturen gehen Abend, jedoch wurde es kaum kühler. Die Straßen und Felder hatten sich so sehr aufgeladen und speicherten die Wärme förmlich. Nachdem ich die 400 Kilometer Marke überschritten hatte wurden die letzten 50 Kilometer noch mal richtig lang. Dann endlich gegen Mitternacht habe ich Ditfurt erreicht. Dazu müsste ich nochmal einen Anstieg mit Kopfsteinpflaster erklimmen – Danke!
In Ditfurt gab es sogar Federbetten! Leider war mir extrem warm und der Nachbar schnarchte ordentlich. Scheinbar konnte ich mich doch etwas erholen, der nächste Schreck kam mit dem Navi auf, welches mir dankensweise Gerald geliehen hatte. Ich bekam den Track nicht geladen, nach langen probieren hat es dann doch geklappt.
Der nächste Abschnitt ging durch den Harz nach Messinghausen. Im Harz waren die Temperaturen angenehmer und es gab auch kaum Autoverkehr, dafür reichlich Steigungen. Hier habe ich denn auch einige Velomobil wiedergesehen, die die Anstiege hochschlichen.
Den Harz verlassen wurde es am Nachmittag wieder sehr heiß, wie fährt es sich jetzt in einem geschlossen Velomobil frage ich mich. Und die richtigen Steigungen kommen ja noch…
Nach knapp 300 Kilometer noch mal eine 20%ige Steigung zur Kontrolle nach Messinghausen. Auch hier Danke an den Audax-Club! Mit meiner Übersetzung von 39x27 und reichlich Gepäck galt es noch mal alles zu geben oder abzusteigen – aber wer will schon schieben?
Im Messinghausen gab es dann wieder eine Schlafgelegenheit und reichlich Verpflegung.
Jetzt galt es eine Schleife kurz vor Köln nach Rösrath zufahren um nach Messinghausen zurückzukommen. In Rösrath gibt es wieder eine Kontrolle. Manche hatten vor die fast 400 Kilometer in einem Rutsch zufahren, bei den Höhenmetern würde ich das nicht versuchen. So führ ich gegen 07:00 Uhr los und kam 10 Stunden später in Rösrath an, dazwischen warteten langgezogene Steigungen im Sauerland, steiler und länger als im Harz und noch wärmer! Die Tiere und Vögel haben sich scheinbar in die Wälder zurückgezogen nur die Autofahrer waren weiterhin aktiv.
Auf der Rücktour wurden die Steigungen nochmal extremer, aber ich habe einiges an Gepäck in Messinghausen zurückgelassen. Wegen Navigationsproblemen habe ich auf der Strecke dann noch ein paar Extrakilometer eingelegt. Im echten Norden befinde ich mich augenscheinlich nicht mehr! Hier durchbreche ich auch die 1.000 Kilometer Marke.
Endlich in Messinghausen angekommen noch mal die Rampe hoch und schlafen. Um der Hitze auszuweichen bin ich schon wieder gegen 23:00 Uhr losgefahren. Das Thermometer fiel auch in der Nacht nicht unter 25C°. Nun sollte es wieder flacher werden nur ein wenig Weser-Berg-Land…
Gegen 04:00 Uhr kam ich zur Zwischenkontrolle in Bad Salzuflen, hinter der Tankstelle schliefen schon einige Randonneure. Später habe ich auch noch welche im Bankvorraum gesehen. Bei mir kam Müdigkeit auf, Coffein hilft kurzfristig. Nach scheinbar endlosen geraden Straßen fuhr ich gegen 08:00 Uhr in der letzten Kontrolle vor dem Ziel in Lindern ein. Hier wollte ich schlafen und erst gegen Abend wieder aufbrechen um das Zeitlimit um 12 Uhr am Folgetag einzuhalten.
Ich bin dann noch recht früh wieder wach geworden und so habe ich mich schon um eins auf den Weg gemacht für die letzten 200 Kilometer.
Hubschrauber kreisen, es war nur eine Übung der Bundeswehr…
Jetzt gab es angenehmen Rückenwind, zumindest auf den ersten 50 Kilometer – so hätte es weitergehen können.
In die Nord Heide einfahrend wieder diese langen „Alleen der Depressionen“. Frisch bin ich jetzt nicht mehr und eigentlich möchte ich jetzt nicht mehr Radfahren, aber das Ziel naht.
Dann in Otter entdecke ich folgendes Schild (siehe unten). Da machen doch bestimmt wieder RST’ler mit? So durfte ich mal kurz auf der Rennstecke fahren.
Jetzt noch nach Winsen zur letzten Zwischenkontrolle auf der Aral Tankstelle, es zieht sich, aber es ist immer noch hell. Bei der letzten Fahrt im Dunkeln liefen mir auch einige Tiere vors Rad, bei Tageslicht ist es mir doch angenehmer! Endlich geht es wieder über die Elbe.
Die Sonne geht schon unter. Den Sachsenwald durchfahre ich schon in der Dunkelheit und nach gefühlten ewigen Kilometern so gegen 22:00 Uhr kommt Großhandsdorf in Sicht. Ich schlafe im Ziel und mache mich am nächsten Tag auf den Weg nach Hause.
Für die Strecke habe ich 27623 KJ an mechanischer Arbeit geleistet, nach Umrechnung bei einem Wirkungsgrad von 25% lag mein Energieverbrauch bei ca. 3,17 Liter Benzin oder 0,21 L/100 Kilometer.
Fazit: Die Strecke war schon eine echte Herausforderung, die ich mir aber nicht immer wieder stellen muss. Ab 400 Kilometer wird es mir dann noch etwas viel. Ich habe mich auch nicht großartig vorbereitet, ich denke dafür ging es dann doch ganz gut. Fahrzeit 112 Stunden und 46 Minuten.
Marc